Die Demokratie von Morgen?

Die Demokratie von Morgen?

In Tomorrow machen sich Cyril Dion und Melanie Laurent auf den Weg und finden neue Ansätze für Politik von unten. Für direkte Demokratie, vor Ort, von Menschen für Menschen.

 

1. Neu diskutieren und entscheiden lernen

Demokratie beginnt im Kleinen - zwischen Menschen und in Organisationen. Auch dort müssen Bedürfnisse artikulieren, Handlungen koordiniert und Entscheidungen getroffen werden.

Neben der klassischen Hierarchie oder dem Mehrheitsprinzip gibt es hier eine ganze Reihe spannender Experimente.

Schon die gewaltfreie Kommunikation kann als demokratisches Experiment gelesen werden – weil hier nicht die eigene Position durchgesetzt, sondern Bedürfnisse gegenseitig verstanden und in Einklang gebracht werden sollen.

Auf ähnliche Art sind Organisationen, die dem Modell der Soziokratie oder der Holacracy folgen, sind nicht nach Ebenen, sondern in “Zirkeln” oder “Kreisen” organisiert, die sich autonom abstimmen. “Anführer” werden hier oft auf Zeit und nur bei Bedarf “von unten” gewählt statt “von oben” eingesetzt.

 

2. Mit Online-Petitionen Schwung in Themen bringen

Eine einfache Möglichkeit, sich politisch Gehör zu verschaffen, sind Online-Petitionen. Hier kann man sich auch als normaler Bürger einsetzen: Gegen ein Einkaufszentrum oder eine Schnellstraße, für bessere Kitas und mehr Betreuung.   

Besonders einfach ist es natürlich, eine Petition zu unterschreiben oder per Email oder über die Sozialen Medien zu teilen. Aber dank Online-Plattformen wie Campact und openPetition ist es einfach geworden, selber eigene Kampagnen zu starten und Unterstützer zu werben.

Auch die Plattform abgeordnetenwatch.de ist ein wichtiger Kanal, um an Politiker ranzutreten, sie zu befragen und mit eigenen Anliegen zu konfrontieren.

 

3. Sich als Bürger aktiv einbringen

In Bürgerbeteiligung können sich “normale” Bürger in politische Entscheidungen ein. Soll ein Einkaufszentrum oder eine Schule gebaut werden? Ein Radweg oder eine Schnellstraße?

Oft beginnt Bürgerbeteiligung als Protest. Die Beispiele sind ungezählt: Das Gängeviertel in Hamburg, die Bürgerinitaitive Helios in Köln, Viva Viktoria! in Bonn, Bellevue di Monaco in München, die Bürgerinitiative zum Erhalt der grünen Lunge am Günterhsburgpark in Frankfurt, der Protest gegen den Abriss der Esso-Hochhäuser und die Initiative City-Hof in Hamburg, die Nordbahntrasse in Wuppertal sowie zahlreichen Initiativen in Berlin. Manche Proteste haben es sogar in Filme geschafft – die Dokumentarfilme Wem gehört die Stadt – Bürger in Bewegung und Buy Buy St-Pauli.

Doch Bürgerbeteiligung kann auch von der Stadt oder von Investoren selbst initiiert werden.

Die Stadt Heidelberg und Darmstadt haben jeweils eine Liste aller städtischen Vorhaben ins Netz gestellt – und beteiligen die Bürger je nach Wichtigkeit des Projekts. Auch auf dem Portal Frankfurt fragt dich stellt die Stadt Frankfurt aktuelle Vorhaben zur Debatte. In verschiedenen Städten dürfen Bürger zudem bei Bürgerhaushalten mitentscheiden – so zum Beispiel in Köln. Zentrale Informationen liefert das Portal Bürgerhaushalt.

 

4. Den Wandel gemeinsam koordinieren

Auch wenn einzelne Menschen politisch aktiv werden kann, braucht es oft ein Unterstützer-Netzwerk, damit Wandel stattfindet.

Eine prominente Rolle im Film spielen die Transition Town Initiativen. In Deutschland gibt es sie in Freiburg, Bielefeld und in Witzenhausen – in anderen Städten unter Namen wie Bonn im Wandel oder Leipzig im Wandel. Auch ähnlich gelagerte Gruppen die Agora Köln vernetzen vor Ort aktive Menschen und versuchen, auf die Politik Einfluss zu nehmen.

Schon länger aktiv sind in vielen Städten die lokalen Agenda-Gruppen, die nach dem UN-Gipfel in Rio de Janeiro in den Neunzigern entstanden sind. Und natürlich gibt es, auch in kleineren Städten, zahllose Bürgervereine und Bewegungen, die sich vor Ort einsetzen.

 

5. Lokale Gemeinschaften gründen

Zuletzt kann man auch eigene “politische Gebilde” gründen.

Kollektive Betriebe oder alternative Wohnprojekte sind so ein Experiment – hier bestimmen alle zusammen. Das Miethäuser Syndikat hat bereits 111 Projekte umgesetzt und sichert damit, dass diese in der Hand der Bewohner bleiben.

Das funktioniert auch für Infrastruktur. Bei der Nordbahntrasse in Wuppertal haben Bürger zwei Millionen Euro Eigenmittel für 23 Kilometer Radweg organisiert. Anderswo gibt es Bürgerbäder. Und in Berlin plant der Verein Flussbad Berlin ein Bad, das 1,8 km Spreekanal in einen öffentlichen, nicht kommerziellen Ort der Erholung umwandeln möchte!

Oft gelten gerade in den Wohnprojekten eigene Regeln. Das Schloss Tempelhof, Ökodorf Sieben Linden oder das ZEGG, zum Beispiel, funktioniert intern nach eigenen, selbst bestimmten Regeln. Es gibt sogar autonome Staaten, die zum Beispiel im Film Empire Me dokumentiert werden.

Unterstützung für solche Vorhaben gibt es zum Beispiel vom Portal Initiative Ergreifen (für NRW), von OpenTransfer und dem Projekt Neue Nachbarschaft. Ein Anlaufpunkt sind auch die EXPERIMENT DAYS in Berlin oder der Wohnbund.

 

In dem Sinne: Wir alle können mit einem neuen Zusammenleben beginnen – kurzfristig bei uns selbst und im Austausch mit anderen, mittelfristig auch in der Politik!

Wie demokratische Experimente anderswo funktionieren zeigt TOMORROW ab dem 3. Juni 2016 im Kino.

Kleine Vorab-Ansichten jetzt schon im Trailer:

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